Aussteiger­pro­jekt: Ich bin ein Bursche, holt mich hier raus — UniSPIEGEL — SPIEGEL ONLINE — Nachrichten

[…] Rico Rokitte ist Ref­er­ent für Anti­ras­sis­mus im Stu­dentIn­nen­Rat (Stura) der Uni­ver­sität Leipzig. Er leitet das Aussteiger­pro­jekt “Pres­ence”, das in seinen Broschüren ver­spricht, Mit­gliedern von Stu­den­ten­verbindun­gen beim Ausstieg zu helfen. […] Der Stura meint es ernst. “Wir wollen hier nicht alle Burschen­schaften über einen Kamm scheren”, sagt Rico Rokitte. “Aber aus Vor­fällen der Ver­gan­gen­heit ist bekannt, dass einige dieser Grup­pen sex­is­tis­che, nation­al­is­tis­che und ras­sis­tis­che Ten­den­zen aufweisen.” […] Der Stura traut ange­hen­den Akademik­ern schein­bar nicht zu, sich selbst ein Urteil über stu­den­tis­che Kor­po­ra­tio­nen zu machen”, wet­tert Michael Schus­ter von der Burschen­schaft Ger­ma­nia über die “naive Sorge des Stura um die Kom­mili­to­nen”. Es habe bis­lang keinen Fall gegeben, in dem ein Mit­glied einer Leipziger Verbindung Nachteile aus einem Aus­trittswun­sch zu erlei­den hatte — abge­se­hen davon, dass der­jenige, der eine solche Gemein­schaft aufgebe, dadurch schon genug ges­traft sei. […] Inzwis­chen sind Burschen­schaften auf der Stu­den­ten­straße nicht mehr zuge­lassen — nach einer Stura-Satzungsänderung dür­fen nur noch Grup­pen teil­nehmen, die offen für alle Studieren­den sind. Da fallen Verbindun­gen, die nur männliche Mit­glieder zulassen, von vorn­herein her­aus. Viele Burschen­schaften, etwa die Ger­ma­nia, nehmen zudem keine Wehr­di­en­stver­weigerer oder Aus­län­der auf. […]”

So, genug zitiert. Als ich hier in Tübin­gen mit meinem Studium anf­ing, war mir sehr wenig über Burschen­schaften bekannt. Da diese in Tübin­gen jedoch sehr präsent sind (Stocherkah­n­ren­nen, Maisin­gen) änderte sich das rel­a­tiv schnell. Obwohl man dann doch eine Zeit lang ver­sucht seinen Vorurteilen nicht ger­ade freien Lauf zu lassen, bestätigt ein Großteil der Burschen­schaftler fast jedes Vorurteil das man über sie hat. Die meis­ten sind mir inzwis­chen der­art unsym­pa­thisch, dass ich jeden, der Umgang mit ihnen pflegt erst mal schief anschaue. Es mag ja sein, dass eine Verbindungsparty was schönes ist, aber im Kopf habend, was bei Burschen­schaftlern so alles läuft, geh ich da dann doch lieber nicht hin.
Was jedoch in Tübin­gen viel schlim­mer ist, als die sowieso schon ständige Präsenz der Burschis, ist dass sie offen ihre Farbe tra­gen, teil­weise sogar in voller Aus­rüs­tung durch die Gegend stolzieren! Und das obwohl das Far­ben­tra­gen auf dem Uni­ver­sitäts­gelände nicht ges­tat­tet ist. Schein­bar kratzt es nur keinen, vielle­icht sollte das Ver­bot langsam mal durchge­setzt wer­den — jetzt haben wir ja einen neuen Rek­tor. Wenn sich genü­gend Per­so­nen zusam­men­finden würde um jeden far­ben­tra­gen­den Burschi spon­tan auszu­lachen, dann würde sich das Far­ben­tra­gen aber vielle­icht auch ganz von alleine geben.….