Am 21. Juli 2007 war in Tübin­gen eine JN Demo angemeldet, dazu fan­den sich dann auch ca. 250 Nazis ein. Schein­bar waren es fast 10000 Gegen­demon­stran­ten. Ich will an dieser Stelle nicht groß über den Ver­lauf der Gegen­demo schreiben, das kann hier UIT nachge­le­sen wer­den. Es sind auch ein paar Videos bei google aufge­taucht. Wer sich da über die Gegen­demo und die Demo informieren will, kann das tun. Ich will hier nur ein paar Dinge schreiben die mir aufge­fallen und einge­fallen sind.

Als erstes muss ich sagen, dass ich einiger­massen begeis­tert war, dass sich un Tübin­gen eine so große Masse aufgemacht hat um den Nazis zu sagen, dass wir sie hier nicht haben wollen. Lei­der waren zu wenig Leute bereit den Protestzug der Nazis direkt zu block­ieren. Es wäre super gewe­sen, wenn die Nazis nicht aus dem Bahn­hof raus gekom­men wären. Allerd­ings kann man auch so einiger­massen zufrieden sein. Ich habe die Nazis zum ersten Mal im Fernse­hen gehört und gese­hen. Das lag aber nicht daran, dass ich weit hin­ten stand. Vielmehr war die Gegen­demo ziem­lich laut und die Nazis von Polizis­ten gut abgeschirmt.
Es gibt aber auch genü­gend Kri­tikpunkte an dem Bürg­er­fest. Lei­der waren zwei Kundge­bung­sorte der Gegen­demo angemeldet. Der eine auf dem Rathaus­platz (mit­ten in der Alt­stadt), der andere auf dem Europaplatz (direkt am Bahn­hof). Es wäre besser gewe­sen, wenn nur eine Kundge­bung stattge­fun­den hätte, die am Europaplatz. Das hätte dann vie­len die Gele­gen­heit gegeben nicht nur Kaf­fee gegen Nazis zu trinken son­dern auch Präsenz zu zeigen. Auf dem Rathaus­platz waren sicher genü­gend Leute, die halt irgend­wie gegen Nazis sind. Lei­der hilft das irgend­wie dage­gen­sein nicht weiter. Es ver­langt keiner, dass sich alle den Nazis direkt in den Weg stellen, aber wenig­stens sicht­bare Präsenz zeigen sollte man dann schon.
Das bringt mich dann auch schon zum näch­sten Punkt: Es wurde hier viel über ein Ver­bot der NPD gere­det. So sehr ich es begrüßen würde, wenn es keine recht­saussen Partei geben würde, so kri­tisch stehe ich dem Ver­bot gegenüber. Als Zeichen, dass rechte Grup­pierun­gen und Deutsch­land nicht ankzep­tiert wer­den, wäre es sicher was wert. So lange es aber eine NPD gibt, ist die Öffentlichkeit gezwun­gen sich mit diese Partei und daher auch der Prob­lematik des Recht­sex­trem­is­mus auseinan­derzuset­zen. Sollte die NPD ver­boten wer­den, dann wäre diese Zwang weg und wir hät­ten, zumin­d­est für große Teile der Öffentlichkeit, eine heile Welt. Das diese Welt nicht so heil ist, wird sich dann immer wieder durch Berichte über Anschläge, Übergriffe und der­gle­ichen zeigen; allerd­ings sind das dann nur Rand­no­ti­zen die schnell wieder vergessen wer­den.
Was ich bei dieser Demo ganz angenehm fand, war, dass es weder Auseinan­der­set­zun­gen mit der Polizei (mal keine, die über das mehr oder wenige übliche Maß her­aus­gin­gen) bzw. mit den Nazis gab. Friedliche Block­adeak­tio­nen wären wün­schenswert gewe­sen, allerd­ings hättes diese dann unter keinen Umstän­den in Gewalt ausarten dür­fen. Immer­hin waren die Nazis unter dem Vor­wand „Keine Freiräume für linke Gewalt­täter“ nach Tübin­gen gekom­men. Von daher hät­ten sie sich am Ende noch bestätigt gefühlt, wenn es zu Auss­chre­itunge gekom­men wäre. Wie gesagt, friedliche Block­aden wären toll gewe­sen, allerd­ings sehr schwer durchzuset­zen, wenn die Polizei hart durchgreift.

Alles in allem war die Gegen­demo ein Erfolg, vielle­icht kein voller Erfolg, aber immer­hin wurde klar gemacht, dass organ­isierte Nazis in Tübin­gen nichts zu suchen haben. Wie es alled­ings mit nicht organ­isierten Nazis aussieht, steht lei­der auf einem anderen Blatt. Genauso steht auf einem anderen Blatt wie viel Sym­pa­thisan­ten es in Tübin­gen gibt, oder wie viele zumin­d­est rechtem Gedankengut nicht abgeneigt sind. Von daher muss auf die Frage, “Ist der braune Spuck in Tübin­gen vor­bei?”, mit nein geant­wortet werden.

[EDIT]
Das mit der Kundge­bung auf dem Mark­t­platz war wohl doch anders, als ich das ver­standen hatte. Wie auf hier bei Indy­media steht, war die Kundge­bung auf dem Mark­t­platz been­det, bevor es am Bahn­hof los ging. Es wäre aber inter­es­sant zu wis­sen, ob wirk­lich alle zum Bahn­hof gezo­gen sind.