Meine erste Sta­tion in Japan war Kyoto. Das “Palace Side” Hotel liegt na klar auch gle­ich am alten Kaiser­palast in Kyoto. Dieser war auch gle­ich unser erstes Ziel auf meiner ersten Besich­ti­gungsrunde in Japan. Da sich Jean­nine in Kyoto ja schon etwas auskennt, immer­hin lebte sie 4 Monate in dieser Stadt, stand gle­ich am ersten Tag ein ziem­lich straffes Besich­ti­gung­spro­gramm an.
Ange­fan­gen hatte die Tour am Goshu, dem Kaiser­palast. Hier erfol­gte dann auch gle­ich die erste Bege­nung mit einer Zikade. An und für sich sehr schüchterne Tiere. Sie sor­gen für ein ständi­ges, zier­pen­des Hin­ter­grundgeräusch in Japan, sind wenig­stens dau­men­groß, laut und gut getarnt. Ent­deckt man allerd­ings eine Zikade und will sie sich mal genauer anschauen, ver­s­tummt sie meis­tens und fliegt dann weg. Der Palast sel­ber ist von einem bre­iten Kiesweg umgeben. Na ja, eigentlich steht er auf einem großen Kies­platz. Das hat na klar den schö­nen Neben­ef­fekt, dass man zumin­d­est die Außen­mauer des Palastes gut sehen kann. Lei­der hat es auch den Effekt, dass es um den Palast herum kaum Schat­ten gibt. In den Palast sel­ber kommt man nur nach Anm­le­dung und auch dann nur in die Auße­nan­la­gen. Wir sparten uns diesen Ter­min und zogen erst mal an die Doshisha, Jean­nines Uni weiter. An der Doshisha woll­ten wir noch etwas kopieren und Jen­nine wollte ihre Rabat­tkarte für den Uni-Shop abgeben. Ich durfte dann auch gle­ich mal meine erste, bewusste Begeg­nung mit Bento machen. In Japan kann man an jeder Ecke fer­tige Bento-Boxen kaufen. Das sind kleine Boxen mit aller­lei Essen drin. Sehr prak­tisch. Meis­tens wer­den sie wohl kalt gegessen. Die Boxen sind echt super um Abends irgendwo was zu essen, einkaufen, mit­nehmen, Stäbchen aus­packen uns fut­tern. Wir kauften uns dort quasi unser Früh­stück. Hätte ich gewusst was wir an diesem Tag alles anstellen, hätte ich wohl mehr gegessen.
Da wir an diesem Tag kreuz und quer durch Kyoto fuhren, hatte Jean­nine uns eine Tageskarte besorgt. Sehr prak­tisch, weil sich das japanis­che Bezahlsys­tem für Bus und Bahn doch etwas vom deutschen unter­schei­det. Dazu will ich aber noch extra was schreiben… Auf alle Fälle ging es dann los zum Ryoanji, Nin­naji, Nijojo, Kioy­moizud­era und auf den Kyoto-Tower. Die ersten bei­den auf der Liste sind Tem­pel, dann kommt ein Schloss und dann ein großer Schrein. so ziem­lich alles in Kyoto scheint ein UNESCO Weltkuk­turerbe zu sein. An diesem Tag schauten wir uns gle­ich vier Stück an. Der Unter­schied zwis­chen Tem­pel und Schrein ist, dass Tem­pel bud­dhis­tisch sind und Schreine shin­tois­tisch. Das let­ztere ist eher eine Natur­re­li­gion. Wer jetzt allerd­ings erwartet, dass sich Tem­pel und Schrein in Japan immer ordentlich tren­nen lassen, der irrt sich. Viele Tem­pel habe einen Schrein. Und je nach­dem was man an göt­tlicher Hilfe sucht oder an Bei­s­tand will, geht man in einen Tem­pel oder in einen Schrein. Die Schreine habe, soweit ich das mit­bekom­men habe, oft Spezial­ge­bi­ete. So wird beim Kiy­omizud­era gerne nach Liebesglück gefragt. Ich für meinen Teil bekam am Kiy­omizud­era mein erstes japanis­ches Spei­seis mit Matcha. Ich hätte nie gedacht, dass mit eis mit gemahlenem grü­nen Tee so gut schmecken wird. In Deutsch­land wird mir das Eis sicher fehlen.
Nach­dem wir dann den kul­turellen Teil erledigt hat­ten, fuhren wir zum Bahn­hof von Kyoto und ich holte mir dann an einem Post­banko­maten erst mal Geld. Erstaunlicher­weise bekam ich das Geld in Japan schneller aus dem Auto­maten als jemals zuvor in Deutsch­land. Nach einer Tasse Kaf­fee waren wir dann so gestärkt, dass wir den Kyoto-Tower erk­lom­men. Na ja, das schwierig­ste dabei war den Auto­maten für die Ein­trittskarten zu bedi­enen, danach fuhr ein Aufzug weiter. Oben angekom­men genossen wir den Blick über Kyoto, sahen eine ziem­lich große Bud­dhas­tatute, die keiner von uns einem Tem­pel zuord­nen kon­nte und genossen den Aus­blick über Kyoto. Da es nun schon doch real­tiv spät war, zogen wir dann in eines der abends sehr belebten Vier­tel von Kyoto weiter und überlegten uns was wir nun machen kön­nten. Das schöne an japanis­chen Einkauf­sstrassen ist, dass sie alle überdacht sind. Das weniger schöne ist, dass es überall blinkt und piepst und so. Da der Abend doch sehr angenehm warm war, entschlossen wir uns Ben­to­boxen zu holen, was zu trinken zu kaufen und uns an den Kamu­gawa zu set­zen und dort zu essen. Neben uns hat­ten viele junge Japaner die gle­iche Idee, daher sassen wir nicht wirk­lich alleine am Fluss, kon­nten dafür aber immer mal wieder kleinere Feuer­w­erke sehen. Zum Essen gab es dann auch das erste japanis­che Bier für mich, gar nicht mal so schlecht. Und die Auswahl ist auch nicht übel. Auf dem Rück­weg gin­gen wir dann noch in das “Round 1″, eines von unzäh­li­gen japanis­chen Spi­ele­cen­tern, und spiel­ten dort ein “Medal­game” genan­ntes Spiel.
Wieder im Hotel angekom­men, fiel mir dann auch auf, dass ich gar keine Gele­gen­heit hatte einen Jet­lag zu bekom­men. Dazu waren wir viel zu viel an der frischen Luft unter­wegs. Was ich an diesem Tag aber über Japan lernte war, dass man sehr viel Flüs­sigkeit zu sich nehmen muss. Es war ein richtig schöner, warmer Tag. Aber das in Japan an jeder Ecke Getränkeau­to­maten ste­hen, an denen man sich für 150 Yen Getränke ziehen kann, ist das nicht so das Problem.