Heute war es dann so weit, das Urteil im Fall der jungen Männer die einen Rentner in der Münchner U-Bahn schwer verletzt haben ist gefallen. Ja, ich finde das Urteil auch in Ordnung. Was ich aber nicht in Ordnung finde ist die etwas einseitige Berichterstattung der Medien. Während der Spiegel (zumindest in den von mir verfolgten Berichten) einigermaßen sachlich blieb, las ich gerade eben ein Kommentar von Berthold Kohler in der FAZ zu dem Fall. Dieser Text bringt mich nun auch dazu hier ein paar Zeilen zu schreiben.
Herr Kohler schreibt, dass “In diesem Fall gehen auch die üblichen Klagen, es gebe zu wenig vorbeugende Hilfe für Jugendliche auf dem Weg in die Schwerstkriminalität, ins Leere.“laufe, da die beiden Verurteilten schon die Fülle der sozialpädagogischen Fürsorge des Staates bis hin zu den Jugendgerichten kennengelernt hätten.
Er führt weiterhin aus, dass Koch zu Wahlkampfzeiten in Hessen vorgeworfen worden sei, dass er das Thema Ausländer– und Jugenkriminalität für billige Zwecke instrumentalisiert habe und das Wahlergebnis nun der Politik als Warnung gelten würde, da man auf diesem Feld nur verlieren könnte.
Gut, ich bin der Meinung, Koch hat das Thema wirklich instrumentalisiert um auf Stimmenfang zu gehen. Ich bin auch der Meinung, dass solche Themen, zumindest in der populistischen Form wie leider allgemein üblich, im Wahlkampf nichts zu suchen haben; schon gar nicht um nur auf Stimmenfang zu gehen. Davon mal abgesehen kommt dann im Text ein Absatz der mich aufhorchen lies.
Jetzt, da ein Richter die Verwerflichkeit der Tat festgestellt hat, können auch Politiker wieder gefahrlos empört sein. Doch ziehen sie auch die richtigen Schlüsse aus diesem und anderen Verbrechen, die das von der Linken gepflegte Bild von den ausländerfeindlichen Deutschen, die ihre Mitbürger „mit Migrationshintergrund“ schikanieren, glatt auf den Kopf stellen?
In diesem Land ist nicht nur, aber vor allem unter jungen Ausländern ein Gewaltpotential herangewachsen, das auch mit noch so viel Sozialtherapie nicht mehr zu beherrschen ist. Deutschland steht jenen offen, die sich integrieren wollen. Doch ist es auch die Pflicht des Staates, sein Gewaltmonopol zu wahren und die Bürger vor Übergriffen anderer zu schützen. Das muss jedem in diesem Lande verdeutlicht werden, sei er Deutscher oder Ausländer. Das Urteil von München ist dazu geeignet.
Zum einen habe ich den Eindruck, dass Politiker (überweigend die aus dem eher konservativem, bis rechts-konservativem Spektrum) nichts können als sich zu empören, zum anderen habe ich auch den Eindruck, dass immer sofort von der jugendlichen Ausländerkriminaität gesprochen wird und eben nicht von der Ausländer– und Jugendkriminaität geredet wird. Eigentlich traue ich Politikern schon zu um den Unterschied zwischen den beiden Formulierungen zu wissen. Scheint also absicht zu sein. Ich zweifle nicht daran, dass Politiker aller Parteien Schlüsse aus diesem Urteil und Vorfall ziehen können. Ob es aber dann die richtigen sind, ob es diese überhaupt gibt, daran wage ich noch zu zweifeln. Auch würde mich spontan interessieren wie viele Ausländer Opfer rassistische motivierter Übergriffe und wie viele Deutsche Opfer von Ausländern wurden, erst mal nur Körperverletzung und der gleiche. Leider konnte ich auf die Schnelle gerade keine Zahlen finde, hoffe aber diese noch nachreichen zu können.
So richtig versöhnt hat mich der letzte Abschnitt dann aber auch nicht. Irgendwie kommt das so rüber, als ob eben bei mehr jugendlichen Ausländern als bei jugendlichen Deutschen ein Hang zu Gewalt bestünde. Leider wird nicht deutlich welche Kohorten hier verglichen worden sind. Alle jugendlichen Deutschen mit allen jugendlichen Ausländern? Oder doch wenigstens sozial gleich gestellte (gleich schwache) Kohorten? Nebenbei, Serkan A. ist, wie im Spiegel vermerkt, in Deutschland geboren. Aus diesem letzten Abschnitt findet eigentlich nur ein Satz meine Zustimmung: “Doch ist es auch die Pflicht des Staates, sein Gewaltmonopol zu wahren und die Bürger vor Übergriffen anderer zu schützen.”. Nur das “Doch” im Bezug auf Integration will mir nicht so ganz einleuchten.
Am Anfang schrieb ich von der einseitigen Berichterstattung in den Medien. Hier noch ein zwei Beispiele in denen ich keinen reflexhaften Aufschrei nach härteren Strafen mitbekommen habe (mal nicht in den Massenmedien):
- Halberstadt
- Berlin, S-Bahn
Zu Halberstadt und dem Angriff auf die Theatergruppe muss ich ja wohl nichts mehr sagen. Der Fall in Berlin bei dem eine (angetrunkene) Berlinerin einen Schwarzafrikaner vor die S-Bahn schubste ist wohl weniger bekannt.. Glücklicherweise wurde der Mann von Passanten gerettet bevor die S-Bahn ihn erfasste. Die Angreiferin soll den Mann übrigens rassistisch beschimpft haben, bevor sie ich auf die Gleise stieß.
Hin und wieder geht sowas dann auch groß durch die Medien, wie zum Beispiel vor der Fußball-WM2006 in Deutschland. Aber meistens wird nur der Angriff angesprochen. Dass jemand härtere Strafen fordert oder ein zu mildes Urteil in so reißerischer Form bemängelt wird wie es bei Ausländerkriminalität oft der Fall ist sucht man in diesen Fällen vergebens.