Mit schrecken habe ich gerade bei SpON Netzwelt etwas über den aktuellen ZDF-Politbarometer gelesen. So erschreckend, dass ich erst mal im Plotbarometer nachschauen musste.
57% der Deutschen halten Online-Durchsuchungen für grundsätlich richtig!
Das macht mir dann doch etwas zu schaffen. Das ganze wurde dann noch ein wenig weiter aufgeschlüsselt, nach Parteianhängern (67% CSU/CDU, 52% SPD, 65%FDP, 50% Linke, 30% Grüne) und auch nach der Heimlichkeit (29% auch ohne richterliche Mitwirkung, 27% nur mit richterlicher Mitwirkung, 39% grundsätzlich dagegen, 5% keine Meinung).
Ehrlich gesagt überrascht mich das Ergebnis nach etwas Nachdenken nicht wirklich. In vielen Diskussionen mit Bekannten kommt häufig folgenden Einstellung zum Ausdruck:
Ich hab mir ja nicht zu schulden kommen lassen, wieso sollte man mich dann überwachen. Und ich vertraue dem Staat soweit, dass er kein Schindluder damit treibt.
Nun gut, über das Vertrauen in den Staat mag man geteilter Meinung sein. Ich misstraue ihm zwar eher, aber mal nicht grundsätlich und in allen Belangen. Was mich wesentlich mehr ärgert ist dieses: “Ich habe nichts zu verbergen.” Hmm…also ich hab was zu verbergen. Alles was andere Menschen oder nur bestimmte Menschen was angeht. Das geht den Staat auch nichts an. Schon gar nicht heimlich. Wo würden wir denn da hinkommen? Zu vorauseilendem Gehorsam wenn quasi jeder mehr oder weniger grundlos überwacht werden kann oder zu einem freien und mündigen Bürger? Man wird ja schon jetzt manchmal schräg angeschaut, wenn man Demotermine bekannt gibt oder sich mal Urlaub nimmt um auf ne Demo zu fahren.
Abgesehen davon frage ich mich ob den Befürwortern der Online-Durchsuchung eigentlich klar ist, dass damit auch Daten auf ihrem PC verändert werden können. Wie leicht wäre es etwas belastendes untergeschoben zu bekommen. Selbst wenn man hinterher nachweisen könnte, dass das ein untergeschobener “Beweis” ist, der Ruf ist im Eimer. Ich denke da mal an Kinderpornographie und der gleichen. Damit könnten dann gezielt SystemkritikerRegimegegner ausgeschaltet werden.
Aber immherin will eine Mehrheit die Untersuchung gar nicht oder nur mit richterlicher Mitwirkung. Wobei ich mich frage was diese bringen soll? Ein Beschluss bekommt man im Ernstfall sicher schnell und um jeden Antrag eigehend zu prüfen fehlt das Personal.
Ach ja, mich wundert, dass so scheinbar viele FDP– und Linke-Anhänger für die Online-Durchsuchung sind. Die FDP spielt sich ja gerne als Wahrer des Rechtsstaats und der Bürgerrechte auf. Na ja, und bei der Linken wundert es mich eigentlich nicht. Zumindest ein paar Leute in dieser Partei haben ja wohl schon in der DDR Erfahrung sammeln können. Aber eigentlich sollte man ja denken diese Erfahrungen waren eher schlecht…