Wer kennt das nicht, egal ob Stuttgart 21, Einführung von Studiengebühren, Vorratsdatenspeicherung oder andere Großprojekte/Gesetzesvorhaben: Sieht man etwas kritisch und trägt den Protest aus den eigenen vier Wänden nach draussen ist man entweder zu spät dran oder ein ewiger Querulant.
Warum das so ist? Hier mein Eindruck:
Erst wird das Vorhaben von “denen da oben” dem Bürger vorgestellt. Dann fängt der Bürger an sich damit zu beschaftigen, erarbeitet sich eine eigene Meinung, bringt sich vielleicht noch ein, übernimmt die Meinung der Presse oder ignoriert das Thema erst mal komplett. Die Minderheit die eine eigene Meinung hat und diese aus den eigenen vier Wänden trägt wird erst nicht ernst genommen, dann vertröstet, dann als überkritisch und später als Querulanten, Chaoten oder Minderheit die übertimmt worde sei hingestellt. Häufig spielen die Mainstreammedien allzugerne mit.
Kommt es dann zum Projektstart, wird auf einmal festgestellt, dass doch einiges anders ist als geplant. Es ist teurer, risikoreicher, weniger sinnvoll als gedacht. Die Bedenken des Bürgers wurden, wenn überhaupt, nur oberflächlich eingearbeitet. Kommt es jetzt zum Protest ist er aber schon zu spät, denn die Verträge sind gemacht, der Bürger hätte sich ja schon früher melden können und außerdem hätten ja die gewählten Vertreter entschieden, folglich sei ja alles in Ordnung weil demokratisch.
Ich frage mich in solchen Momenten immer warum nicht einfach von Anfang an richtig miteinander geredet wird. Dazu zählen transparente Planungsphasen, informieren der Bürger, transparente Abstimmungen (in denen auch offenbart wird wer denn an was verdient, Stichwort Grundstückverkauf), transparente, öffentliche Kosten-Nutzen-Rechnungen und auch die Veröffentlichung kritischer Gutachten.
Kurz: Zu einer Demokratie gehören für mich informierte Bürger und informierte Politiker.
Auch sollten die Planungen ergebnisoffen erfolgen. Dazu gehört auch ein verwerfen des Vorhabens.
So lange diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind wird der Protest der Bürger oft zu spät kommen, wird die Politikverdrossenheit nicht nachlassen, wird das Misstrauen in “die da oben“ wachsen. So lange werden Menschen auf die Straße gehen und auf sich aufmerksam machen. Hoffentlich schlägt die Enttäuschung nicht in richtige Wut um.