Unter dem Markt der Infor­ma­tio­nen ver­stehe ich öffentlich zugängliche Infor­ma­tio­nen, primär erst ein­mal nicht nur das Inter­net son­dern auch Rund­funk und Presse. In entwick­el­ten Län­dern ver­schwim­men die Gren­zen nun aber schon seit ger­aumer Zeit.
Ist der Markt der Infor­ma­tio­nen aus­geglichen, also nicht nur in der Hand einer Elite, einer Ide­olo­gie, kann echte Trans­parenz entste­hen. Ist er jedoch unaus­geglichen, wird von einer Ten­denz oder gar eine Ide­olo­gie geprägt, ist Trans­parenz unmöglich. Schlim­mer noch ist es, wenn eine Ten­denz zu bes­timmten Infor­ma­tio­nen besteht, dies aber als aus­ge­wo­gener Markt der Infor­ma­tion verkauft wird.
Warum ich das schreibe? Ganz ein­fach, ich habe den Ein­druck, dass in Deutsch­land auf dem Markt der Infor­ma­tio­nen eine starke Ten­denz vorherrscht. Nicht unbe­d­ingt eine Ten­denz zu einer Ide­olo­gie hin, aber eine Ten­denz zu einer sich immer mehr und mehr ähnlich wer­den­den Presse­bericht­ser­stat­tung. Noch besteht immer­hin die Möglichkeit sich aus anderen Quellen zu informieren. Das kostet jedoch Zeit, Energie und setzt ein gesun­des Mis­strauen jeder Infor­ma­tion gegenüber voraus – was auf Dauer sicher anstren­gend ist. Gle­ichzeitig wird aber die Infor­ma­tion die man schön auf­bere­itet in der Presse oder durch den Rund­funkt serviert bekommt mit wesentlich weniger Mis­strauen bedacht. Immer­hin sitzen da ja Men­schen die die Infor­ma­tion für uns bew­erten. Oder?

Warum ich so skep­tisch bin?
Geht doch mal an ein Kiosk. Schaut euch die Mag­a­zine und Zeitun­gen an. Seht ihr große Unter­schiede? Eher nicht. Die Auf­macher sind mehr oder weniger immer die Sel­ben. Ob Ter­ro­rangst, Schweine­grippe, Finanzkrise. Irgend­wie scheinen alle das gle­iche zu schreiben. Höch­stens bei ein paar weni­gen Artikeln wird recher­chiert, allerd­ings han­delt es sich dann meist um Reporta­gen oder Kom­mentare in die die Mei­n­ung der Autoren ein­fließt. Woher mag das kom­men? Liegt es vielle­icht daran, dass alle Medien die gle­ichen Quellen haben? Die gle­ichen Agen­turen lesen? Sich nicht trauen was anderes als Auf­macher zu nehmen, weil man ja nicht der Konkur­renz das „Tages­thema“ alleine überlassen will? Lei­der wird sich die Presse dadurch immer ähnlicher – gle­ichgeschal­teter, und das frei­willig. Ganz deut­lich bemerkt man es, wenn man mehrere „große“ Pressew­erke ver­folgt, sei es print oder online. Die Mel­dun­gen ähneln sich doch sehr stark. Dadurch wird der Ein­druck erweckt, dass der Auf­macher extrem wichtig ist und die ganzen Mass­nah­men dazu Alter­na­tiv­los. Alter­na­tiv­los ist auch das Stich­wort, bestätig in meinen Befürch­tun­gen hat mich let­ztlich Alter­na­tiv­los 9 von Fefe mit Monoxid [1]. Lei­der hat mich der Pod­cast auch in eini­gen Din­gen eher neg­a­tiv überrascht.
Stich­wort: Autorisierter Inter­views.
Worin liegt der Sinn eines Inter­views? Sicher nicht darin, dass nach dem Inter­view der „Jour­nal­ist“ seinen Beitrag schreibt, nochmal von seinem Inter­view­part­ner absegnen/bearbeiten lässt und dann erst veröf­fentlicht. Ich denke jeder Inter­view­part­ner hat das Recht nicht sin­nentstel­lend Zitiert zu wer­den, jedoch sollte er nicht das Recht haben Aus­sagen zu überar­beiten. Wie wäre es mit einer Stel­lung­nahme zu einem Inter­view in der missver­ständliche Aus­sagen erläutert wer­den? Warum soll da der ganze Text überar­beitet wer­den? Noch schlim­mer ist es, wenn alle Fra­gen vorher abgekartet sind. Ein paar Fra­gen absprechen mag ja in Ord­nung sein, immer­hin sollte sich der Inter­viewte auch auf das Gespräch vor­bere­iten kön­nen, eine grobe Rich­tung vorgeben schadet dabei sicher nicht. Aber alle Fra­gen vorher absprechen? Oder gar reine E-Mail Inter­views? Geht’s noch? Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich will eine kri­tis­che Presse. Der Ham­mer ist aber, wenn Medien dafür Bestraft wer­den kri­tisch zu sein. Die wer­den dann ein­fach nicht mehr mit Infor­ma­tio­nen ver­sorgt und müssen sich rein an Agen­turmel­dun­gen hal­ten. Wie war das doch noch mit dem BKA und der Pressekon­ferenz zur Vor­rats­daten­spe­icherung (VDS)? Richtig, Zeit-Online wurde ein­fach nicht ein­ge­laden weil die vorher mal kri­tisch über die VDS berichteten. [2]
Wichtig für einen aus­geglich­enen Markt der Infor­ma­tio­nen ist ein freier Zugang zu Infor­ma­tio­nen. Lei­der gibt es Bestre­bun­gen diesen Zugang einzuschränken. Zum Beispiel durch tech­nis­che Maß­nah­men wie Net­zsper­ren. Ich bin was das angeht mal so frei und ver­weise auf die öffentliche Debatte in Deutsch­land (2009), sowie auf das Daten­schutzblog [3] und aktuell auf Net­zpoli­tik [4] mit der Censillia-Problematik. Der AK Zen­sur [5] eignet sich auch immer her­vor­ra­gend als Anlauf­stelle. Eine weit­ere Möglichkeit ist es die Pub­lika­tion im Inter­net in ein rechtliches Minen­feld zu ver­wan­deln. Ich sag nur JMStV-E (Jugendmedienschutz-Staatsvertrag) und ver­weise auch wieder auf den AK-Zensur [5] und Net­zpoli­tik [6].
Weit­ere Möglichkeiten sind poli­tis­cher Druck auf Web­hoster, DNS-Betreiber und ähnliches was wir ger­ade im Fall Wik­ileaks erleben. Ein weiter Punkt ist, die kri­tis­che Beschäf­ti­gung mit bes­timmten Infor­ma­tio­nen bzw. deren Quellen als Angriff­spunkt für Repres­sio­nen zu nehmen, auch das erleben wir ger­ade bei Wik­ileaks in Bezug auf Stu­den­ten der der Colum­bia Uni­ver­sity [7]. Die Debatte über Net­zneu­tral­ität will ich erst gar nicht anschneiden.

Zusam­men­fassend kann ich nur sagen, wir brauchen wieder eine kri­tis­che Presse, die den Bürger informiert, ihn zum Nach­denken anregt. Gle­ichzeitig brauchen wir einen freien Zugang zu Infor­ma­tio­nen und echte Mei­n­ungs­frei­heit. Sicher führt Trans­parenz nicht automa­tisch zu einem besseren Miteinan­der, einem besseren Staat, einer besseren Gesellschaft. Trans­parenz zusam­men mit einem freien Markt der Infor­ma­tio­nen bietet aber eine große Chance. Wir müssen sie nur aktiv nutzen. Wir müssen uns denen ent­ge­gen stellen, die ver­suchen uns daran zu hin­dern. Genau aus diesem Grund ist es wichtig Plat­tfor­men wie Wik­ileaks zu unter­stützen.
Sicher, auch von diesen Plat­tfor­men kann eine Bee­in­flus­sung aus­ge­hen, ein­seitig veröf­fentlichte Infor­ma­tio­nen, falsche Infor­ma­tio­nen. Solange die Plat­tfor­men aber selbst halb­wegs trans­par­ent arbeiten und es nicht nur eine Plat­tform gibt wird es funk­tion­ieren. Ich sehe Wik­ileaks als Plat­tform eher kri­tisch, im Moment finde ich es aber wichtig die Plat­tform zu unter­stützen. Ich schreibe bewusst Plat­tform und keine Per­son. Wer sich mit dem Thema Wik­ileaks ein wenig auseinan­der­set­zen will dem seien fol­gende Links empfohlen:

  • Daniel Domscheit-Berg zu seinem Ausstieg bei Wik­ileaks (Pod­cast, Net­zpoli­tik) [8]
  • Daniel Domscheit-Berg zu seinem Ausstieg bei Wik­ileaks (Inter­view in der TAZ) [9] (Inter­view im Spiegel, englisch) [10]
  • Wik­ileaks Revolt (Wired, englisch) [11]
  • Daniel Domscheit-Berg will neue Plat­tform starten (Golem) [12]

Lin­kliste
[1] http://alternativlos.org/9/
[2] http://www.netzpolitik.org/2010/geschlossene-gesellschaft-bka-pk-zur-vorratsdatenspeicherung/
[3] http://www.datenschutzbeauftragter-online.de/uberblick-zum-thema-netzsperren/
[4] http://www.netzpolitik.org/2010/eu-justizminister-fur-netzsperren-noch-2-monate-fur-uns/
[5] http://ak-zensur.de/
[6] http://www.netzpolitik.org/category/jugendschutz/
[7] http://www.huffingtonpost.com/2010/12/04/state-department-to-colum_n_792059.html
[8] http://www.netzpolitik.org/2010/npp102-daniel-domscheit-berg-inside-wikileaks/
[9] http://www.netzpolitik.org/2010/npp102-daniel-domscheit-berg-inside-wikileaks/
[10] http://www.spiegel.de/international/germany/0,1518,719619,00.html
[11] http://www.wired.com/threatlevel/2010/09/wikileaks-revolt/
[12] http://www.golem.de/1012/79913.html